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Barrierefreiheit im Parque de Atracciones de Madrid: Erfahrungsbericht 2026

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Aktualisiert am: 04.Juni 2026
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Barrierefreiheit im Parque de Atracciones de Madrid: Ein Blick hinter die Kulissen

Geschichte, Lage und Bedeutung

Mitten in der spanischen Hauptstadt – eingebettet in das über 1.500 Hektar große Naturparadies Casa de Campo im Westen Madrids – liegt der Parque de Atracciones de Madrid. Der 1969 eröffnete, rund 20 Hektar große Vergnügungspark blickt auf eine über 55-jährige Geschichte zurück und hält eine ganz besondere historische Bedeutung bereit: Er ist der offizielle Geburtsort und das fundamentale Fundament der heutigen Parks Reunidos-Gruppe. Der drittälteste Freizeitpark Spaniens ist schön angelegt, sehr weitläufig und setzt im Vergleich zu anderen Parks zwar weniger auf tiefgehende Thematisierung, besticht dafür aber durch eine entspannte Atmosphäre. Da größere Investitionen in neue Großattraktionen schon länger zurückliegen, bietet das Areal zu einem relativ geringen Eintrittspreis ein gutes Ausflugsziel für die ganze Familie. Zu 95 % wird er von Einheimischen und Jahreskarteninhabern genutzt, weshalb das Publikum überwiegend spanisch ist.

Die Vorbereitung: Webseite und Online-Leitfaden

Ein barrierefreier Parkbesuch beginnt bereits am heimischen Bildschirm. Die offizielle Webseite des Parks steht auf Spanisch und Englisch zur Verfügung. Hier können sich Gäste vorab umfassend über die verschiedenen Attraktionen, Zugänglichkeitsregeln und die aktuellen Parköffnungszeiten informieren. Ein großer Pluspunkt für die Planung ist der spezielle Barrierefreiheits-Leitfaden, den man sich direkt online als PDF herunterladen kann, um den Aufenthalt optimal vorzustrukturieren.

Die Anreise

Die Anreise zum Park ist hervorragend gelöst: Entweder bequem über den öffentlichen Nahverkehr mit der U-Bahn-Linie 10 (Station Batán, nur wenige Minuten Fußweg) beziehungsweise der Buslinie 33, oder mit dem Auto, welches man außerhalb auf den kostenfreien Parkplätzen abstellen kann. Einer nahezu barrierefreien Anreise steht hier nichts im Weg.

Fotos: Michael Töller

Eingang, Ticketsituation und das Bändersystem

Der wichtigste Anlaufpunkt für Gäste mit Einschränkungen befindet sich direkt am Haupteingang auf der rechten Seite oder am Nebeneingang am Metro-Ausgang Batán: das Service-Center für Kundenbetreuung (Atención al Cliente / Guest Service). Hier werden alle Fragen geklärt, Eintrittskarten ausgegeben und die speziellen Armbänder für den barrierefreien Zugang ausgestellt. Während in Deutschland oft andere Express-Modelle genutzt werden, läuft die Zugangsregelung in Madrid analog zum Parque Warner über ein eigenes, zweistufiges Bändersystem. Der reguläre Express-Zugang („Speedy Pass“) bleibt hiervon getrennt:

  • Gelbes Band: Für Menschen mit Behinderung plus eine Begleitperson. Ermöglicht den Zugang über spezielle Eingänge oder den Ausgang. Vor einer erneuten Fahrt mit derselben Attraktion muss eine Wartezeit von mindestens 15 Minuten eingehalten werden.

  • Lilaner Band: Für Gruppen von bis zu vier Personen (Inhaber plus maximal drei Begleiter). Ermöglicht das Fahren jeder Attraktion ohne große Wartezeit.

Fotos: Michael Töller

Erstes Treffen mit Marina und Start des alleinigen Rundgangs

Nach einem ersten, kurzen Kennenlernen und einer herzlichen Begrüßung durch die zuständige Mitarbeiterin Marina startete ich meinen alleinigen Prüf-Rundgang durch das weitläufige Gelände. Mein mitgebrachtes Gepäck konnte ich zum Glück direkt im Eingangsbereich abgeben und sicher einschließen. Besonders positiv gelöst: Das dortige digitale Buchungssystem fragt bei der Miete direkt am Terminal ab, ob ein rollstuhlgerechtes Schließfach in niedrigerer Höhe benötigt wird, und teilt dieses dann automatisch zu.

Die Attraktionen im Check

Der Park bietet teilweise wirklich tolle Fahrgeschäfte, die schon beim reinen Anblick von außen richtig Lust auf eine Fahrt machen. Besonders im Nickelodeon Land, wo bekannte Charaktere wie SpongeBob Schwammkopf ihr Unwesen treiben, tummeln sich vor allem die jüngeren Familien. Bei den speziellen Zugängen für Menschen mit Behinderung zeigt sich im Detail jedoch eine enorme Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität, da sie oft mit unpassierbaren Rampen oder Schwellen versehen sind:

  • Tornado (Achterbahn): Hier führt zwar eine Rampe in Richtung Bahnhof, diese wird jedoch unterwegs durch mehrere Stufen unterbrochen. Für Rollstuhlfahrer ist der Zugang damit komplett unnutzbar. Selbst für Gäste, die kurze Strecken zu Fuß zurücklegen können, stellen diese unerwarteten Stufen eine erhebliche Herausforderung dar.

  • Sillas Voladoras (Kettenkarussell): Der Zugang ist zwar offiziell als barrierefrei ausgeschildert, direkt am Eingang wartet jedoch eine höhere Bodenschwelle auf Rollstuhlfahrer, die ohne fremde Hilfe kaum zu überwinden ist.

  • Nickelodeon Express Tour: Der Ein- und Ausstieg an sich ist gut gelöst. Obwohl es recht eng zugeht, kann man mit dem Rollstuhl direkt bis an das Fahrzeug heranfahren und umsetzen. Das große Problem bleibt der Zugang: Die Rampe ist viel zu steil konstruiert, weist am Übergang zum Asphalt Schäden auf und ist für Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe kaum zu bewältigen.

  • La Aventura de Dora & die Sonnenblumen: Diese Jeep-Safari bietet einen großartigen, reizarmen Rückzugsort für Menschen mit Autismus (keine laute Musik, keine Überraschungseffekte). Der Einstieg ist jedoch sehr eng und hoch, es müssen Stufen überwunden werden und es fehlen Haltegriffe zum sicheren Umsetzen. Ein wunderschönes Detail bei dieser Fahrt sind die Deko-Elemente in Form von prächtigen Sonnenblumen. Für uns natürlich ein absoluter Herzenspunkt – schließlich steht die Sonnenblume weltweit als Symbol für die Hidden Disabilities Sunflower, das Hilfsprogramm für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen. Ein schönes visuelles Vorzeichen im Park!

Fotos: Michael Töller

Gastronomie, Shows und digitale Bestellsysteme

Ein ganz großer Pluspunkt, den man in dieser Form und Dimension in kaum einem anderen Freizeitpark weltweit findet, sind die extrem großzügigen Picknick- und Sitzplätze. Viele dieser weitläufigen Aufenthaltsbereiche liegen eingebettet zwischen dichten Clustern von Bäumen. Das bietet an heißen Tagen in Madrid einen wunderbaren, natürlichen Schatten und lädt zum echten Verweilen ein. Ein echtes Positivbeispiel ist auch der Außenbereich des Nickelodeon Cafés, dessen Tische hervorragend unterfahrbar sind. Wer im Park speisen möchte, sollte jedoch beachten, dass an besucherarmen Tagen nicht alle gastronomischen Angebote geöffnet sind.

Bei den digitalen Bestellterminals in der Gastro gibt es Licht und Schatten: Während bei Burger King das Display per Knopfdruck barrierefrei nach unten gewischt werden kann, sieht es bei Domino’s Pizza ganz anders aus. Hier stehen mehrere Terminals, die für Rollstuhlfahrer komplett unbedienbar und so schräg nach hinten geneigt montiert sind, dass sie vom Rollstuhl aus physisch kaum erreicht werden können. Ein weiteres massives Nadelöhr wartet bei der Essensausgabe: Der reguläre Weg zur Ausgabe ist für Rollstuhlfahrer komplett blockiert, da ein Baum mitten im Weg steht. Zwar gibt es auf der rechten Seite (hinter der Ausgabe) ein Schild, das einen alternativen barrierefreien Zugang signalisiert – dieser ist jedoch von den Terminals aus nicht einsehbar. Hier fehlt zwingend ein klarer Hinweis direkt an den Bestellgeräten, dass Menschen mit Behinderung den barrierefreien Zugang von rechts nutzen können. Ein pragmatischer Ansatz wäre, den bestehenden „Pick and Collect“-Service für Gäste mit Behinderung kostenfrei anzubieten.

Ein echtes Highlight in Sachen digitaler Barrierefreiheit – das allerdings ein massives Aufklärungsproblem hat – sind die im Park installierten Coca-Cola Freestyle-Automaten. Die Automaten verfügen über eine integrierte, barrierefreie Schnittstelle: Unten rechts auf dem Display befindet sich ein virtueller Joystick/Button. Aktiviert man diesen, schaltet das System in einen assistierten Modus um. Die optische Darstellung auf dem Bildschirm bleibt dabei exakt gleich, aber Nutzer müssen das Touchdisplay nun nicht mehr zwingend berühren. Stattdessen können sie sich vollständig mit dem Joystick durch die bestehenden Menüs navigieren, ihre gewünschte Geschmacksrichtung wählen und die Getränkeausgabe barrierefrei auslösen. Da die Funktion nirgends aktiv beworben wird und das Personal nicht geschult ist, bleibt dieses großartige Feature für die meisten Betroffenen unsichtbar.

Bezüglich der Shows stands das Gran Teatro, in dem aktuell eine K-Pop-Show gezeigt wird, auf dem Plan. Aufgrund des anstehenden Rückflugs nach Deutschland reichte die Zeit dieses Mal leider nicht mehr für einen Besuch aus. Bei der nächsten Beratung vor Ort wird das Theater jedoch ganz oben auf der Prüfliste stehen, um auch die Zugänglichkeit der Showbereiche detailliert zu analysieren.

Allgemeine Wege, Rampen und sanitäre Anlagen

Das Wegenetz im Park ist weitläufig und für Rollstuhlfahrer gut befahrbar. Allerdings sind viele der Betonrampen beschädigt, brüchig und uneben, und auch die alternativ verwendeten Holzrampen haben definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Zudem sind die barrierefreien Ein- und Ausgänge oft schwer zu finden. Teilweise waren Pfeile auf der Beschilderung sogar in die falsche Richtung angebracht, was zu Irritationen führte. Ein extremes Beispiel zeigt sich bei einem der WC-Bereiche: Das Hinweisschild „Toilette“ führt Rollstuhlfahrer direkt vor eine Treppe mit Stufen. Der tatsächliche, barrierefreie Zugang liegt jedoch rund 40 Meter entfernt – ohne dass an den Stufen ein Schild auf diese Alternative hinweist. Hier ist zwingend eine ordentliche, richtungsunabhängige Beschilderung nötig.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Shops: Diese sind baulich zwar weitgehend barrierefrei erreichbar, allerdings wird der Verkehrsraum im Inneren oft unbedacht durch Drehständer zugestellt, die Rollstuhlfahrern den Durchgang und den Blick versperren. Marina hat hierzu jedoch direkt erklärt, dass der Souvenirshop ohnehin vor einem Umbau steht – im Zuge dessen soll künftig streng darauf geachtet werden, dass die Wege frei bleiben. Auch im Candy Shop muss im selben Zuge Platz geschaffen werden.

Neben den Rampen und der Beschilderung ist die Toilettensituation eine der größten Baustellen. Hier fehlt es an grundlegender Aufklärung, und der Zustand ist in vielerlei Hinsicht nicht optimal: Auf den Schildern fehlt oft schlichtweg das Rollstuhlsymbol. Zudem ist die Gestaltung der Sanitärräume steril und ungemütlich; sie wirken eher wie in einem Krankenhaus. In einigen Toiletten fehlen selbst Spiegel an den Wänden komplett. Ein Umsetzen vom Rollstuhl auf das WC ist oft baulich gar nicht möglich, und das Toilettenpapier ist häufig so weit weg platziert, dass man es im Sitzen nicht erreichen kann. Die Notrufleinen waren oft zu hoch aufgehängt; im Ernstfall muss die Leine im Liegen vom Boden aus erreichbar sein. Zudem müssen die Türen zwingend nach außen aufschlagen, um im Notfall nicht blockiert zu werden, und die Verriegelung ist aktuell sehr schwergängig. Für blinde und sehbehinderte Gäste besteht an einigen wenigen Treppen Stolpergefahr, da die Geländer nicht bis zum Boden durchgezogen sind.

Fotos: Michael Töller

Weitere Maßnahmen: Der Deascalation Room (Deeskalationsraum)

Ein absolut herausragendes und in der europäischen Freizeitpark-Landschaft bisher selten zu findendes Angebot ist der im Park eingerichtete Ruhe- und Deeskalationsraum (Relax Room). Wenn für Menschen mit Autismus oder neurodivergenten Einschränkungen der Trubel, die Lautstärke und die Reize des Parks zu viel werden und ein Meltdown droht, bietet dieser Raum die perfekte Zuflucht zum Herunterfahren. Ausgestattet ist der Raum mit einem Projektor, der eine beruhigende Unterwasserwelt an die Wand wirft. Zudem stehen verschiedene haptische Hilfsmittel bereit – Elemente zum Ertasten, Fühlen und zur beruhigenden Beschäftigung. Ein fantastischer, hochgradig inklusiver Ansatz! Auch wenn die visuelle und funktionale Ausgestaltung des Raumes konzeptionell noch verfeinert werden kann, ist dieses Angebot schon jetzt ein Meilenstein für Familien mit unsichtbaren Behinderungen.

Fazit, erneutes Treffen mit Marina und Ausblick

Zum Abschluss des Tages traf ich mich erneut mit Marina für einen gemeinsamen, kurzen Rundgang zu den wichtigsten Highlights, bei dem wir direkt die schnellsten und pragmatischsten Optimierungspotenziale im Park besprachen. Das Team vor Ort war bei unserem Besuch extrem bemüht, sehr aufmerksam und hat alle Hinweise absolut ernst genommen. Das Budget ist natürlich wie überall ein großes Nadelöhr. Dennoch spürt man den echten Willen, die Dinge anzupacken. Die Baustellen für die Toiletten und die irreführende Beschilderung wurden direkt besprochen und Nachbesserung zugesagt.

Es ist großartig zu sehen, dass die Gruppe innerhalb ihrer anderen Standorte – wie dem Aquarium Atlantis Madrid – bereits so viel wertvolle Pionierarbeit leistet und dort eng mit Behindertenverbänden in den Bereichen Autismus und Blindheit zusammenarbeitet, um neue Wege auszuprobieren. Diese Offenheit und Lernbereitschaft ist die perfekte Basis für die Zukunft. Wir freuen uns sehr auf die weitere, konstruktive Zusammenarbeit mit Marina und dem gesamten Team der Gruppe Parks Reunidos beim nächsten Treffen in der schönen Sonne Madrids!

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Michael
Ich bin Michael und der Inhaber von Freizeitpark Erlebnis. Bereits als Kind habe ich mich in einem Freizeitpark immer sehr wohl gefühlt. Meine Eltern haben mir immer ermöglicht mindestens 2 - 3 mal im Jahr einen Freizeitpark zu erkunden. Gemeinsam mit meinem Sohn habe ich diese Leidenschaft fortführen können und nun habe ich das große Glück mein Hobby zum Beruf zu machen. Durch mein tolles Team wachsen wir immer weiter und so sind auch Erlebnisse aus allen Bereichen bei uns vertreten. Das Thema Barrierefreiheit wird immer wichtiger bei uns und so lernen wir immer dazu. Danke an mein super Team und meine Eltern, die meine Leidenschaft für Freizeitparks & Erlebnisse entfacht haben.
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