Als für uns feststand, dass wir in den Weihnachtsferien nach Chemnitz fahren werden, haben wir uns das Theaterprogramm für diese Zeit angesehen und festgestellt, dass „My Fair Lady“ aufgeführt wird. Das Stück hatten wir bereits gesehen, als meine Schwester und ich Teenager waren, damals allerdings auf der kleinen Bühne im Theater und nicht im Opernhaus. Dort haben wir jedoch bereits einige andere Stücke gesehen.
Die Tickets gibt es online oder vor Ort an den Vorverkaufsstellen. Schwerbehinderte können online reservieren, Rollstuhltickets gibt es nur telefonisch oder an der Tageskasse. Es gibt nur zwei Rollstuhlplätze an den Seiten, man muss also schnell sein, wenn man ein bestimmtes Datum im Visier hat.
Von unserer Ferienwohnung aus ging es mit dem Bus zur Haltestelle „Hauptbahnhof, Dresdner Straße“ und von da aus zu Fuß zum Opernhaus. Der Fußweg dauert normalerweise etwa 10 Minuten, da es aber spiegelglatt war, sind wir ca 15 Minuten gelaufen. Wir hätten aber auch in die Straßenbahn umsteigen und zur Haltestelle „Theaterplatz“ fahren können, diese befindet sich direkt vor dem Platz, an dem Theater und Oper sich befinden.
Vor der Oper haben wir die Kleinen an Oma und Opa übergeben, gegen das Große Kind getauscht und den Rest der Familie getroffen. Die Großeltern waren über den Theaterplatz gekommen, der leider ziemlich glatt war. Der Zugang über die Tiefgarage war einfacher, da dort kein Eis war. Ich kam von hinten, da war der Weg besser gestreut. Der Zugang über den Theaterplatz ist via Aufzug zur Tiefgarage barrierefrei möglich, ansonsten gibt es eine Treppe und Kopfsteinpflaster. Im Sommer findet hier das Sommerkino statt.
Das Opernhaus ist fasst 671 Plätze auf 3 Etagen, die Preise bewegen sich zwischen 14 und 74€, je nach Sitzplatz und Stück.
Nachdem wir dann im Opernhaus angekommen waren, haben wir die Jacken an der kostenlosen Garderobe im Untergeschoss abgegeben und sind dann ins Erdgeschoss gegangen, wo die Zugänge zu den Parkett-Plätzen sind. Dort haben wir große Hinweise zur Barrierefreiheit gesehen.
Es gab wirklich viele Angebote, u.a. T-Spule für Hörgeräte, welche einwandfrei funktioniert hat, Audiodeskription für Sehbehinderte, oder Übertitelung. Auch eine Übertragung in Gebärdensprache ist verfügbar.
Leider gibt es zu wenige Toiletten für all die Menschen, weshalb es vor Vorstellungsbeginn und in der Pause zu langen Warteschlagen kam. Die Vorstellung war beinahe ausverkauft, es waren nur noch vereinzelte Plätze frei.
Mit dem zweiten Klingeln gingen wir zu unseren Plätzen. Diese befanden sich im Parkett in Reihe 12 von insgesamt 15. Wir hatten eine gute Sicht auf die Bühne, nur das Live-Orchester konnten wir von unseren Plätzen nicht sehen, da kommt es aber auch mehr aufs Hören an, vor allem bei einer Operette. Der Vorhang war bereits vor Vorstellungsbeginn oben und so konnte man sich schonmal ein wenig mit dem Bühnenbild vertraut machen.
Das Opernhaus besitzt einen drehbaren Bühneneboden, welcher während der Vorstellung immer wieder mal zum Einsatz kam, um das Bühnenbild ein wenig anzupassen. Der Ton war jederzeit klar und man konnte fast alle Schauspieler sehr gut verstehen. Nur die Eliza fand ich akustisch schwierig, da sie sehr hoch singt, aber da ich den Film kenne und das Stück vor Jahren schonmal gesehen hatte, war das nicht weiter schlimm.
Die gesamte Inszenierung hat uns allen sehr gut gefallen, das Publikum war bunt gemischt von schätzungsweise 8 Jahren bis hin zu älteren Leuten war alles dabei. Es wurden immer mal wieder kleinere Witz eingebaut, die auf die Stadt bezogen sind.
In der Pause wollte wir uns an der Bar etwas zu trinken holen und haben uns aufgeteilt. Da sie Männer nicht so lange an der Toilette anstehen mussten, haben die sich an der Bar angestellt, um Brezeln und Getränke zu besorgen. Leider gab es nur noch 2 Cola und keine Brezeln mehr, so mussten wir uns zu sechst mit zwei Cola begnügen. Da scheint etwas in der Planung schief gelaufen zu sein, vermutlich bedingt durch die Weihnachtsfeiertage und der Tatsache geschuldet, dass wir am Sonntag da waren.
Durch die langen Schlangen an den wenigen Toiletten, hatten wir nicht viel von der Pause, wir hatten mit dem ersten Klingeln gerade erst angefangen, etwas zu trinken.
Am Schluss gab es verdiente Standing Ovations. Nach Ende der Vorstellung ging es an der Garderobe recht zügig und wir fuhren mit dem Auto zurück zur Ferienwohnung. Die Parkgebühr im Theaterparkhaus liegt bei 3€ für 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn bis 2 Stunden nach Ende. Vor uns hatten einige Leute Schwierigkeiten, die Schranke zu öffnen, ohne dass es dafür einen ersichtlichen Grund gab. Dadurch hat es sich ziemlich gestaut und es ging nur schleppend voran.
Das Opernhaus Chemnitz ist bis auf die wenigen Rollstuhlplätze absolut barrierefrei! Es wird sich wirklich viel Mühe gegeben, das Theatererlebnis für eine möglichst breite Masse möglich zu machen. Wenn man eine der Unterstützungsmöglichkeiten benötigt, kann man sich einfach an das Personal an der Information wenden, dort erhält man alle Infos zu den benötigten Hilfen. Es gibt einen Aufzug in die Tiefgarage bis nach ganz oben, sowie ein Blindenleitsystem im Theater. Vielleicht kann man in Zukunft mehr Möglichkeiten für Rollstuhlplätze schaffen, ansonsten ist dass das barrierefreieste Theater, das ich bisher besucht habe!