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Wie barrierefrei sind Konzerte, Musicals & Events? Teil 2: Das Ankommen am Venue

Werbung - Dieser Beitrag wurde unterstützt
Aktualisiert am: 12.Juni 2026
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Wer kennt es nicht? Die Vorfreude auf das Konzert, die Musical-Premiere, den Zoo-Besuch oder den Tag im Freizeitpark ist riesig. Doch wer eine Behinderung hat, weiß: Bevor man überhaupt die Jacke anziehen und losfahren kann, wartet die erste, gigantische Hürde am heimischen Schreibtisch.

Du hast den ersten Teil unserer großen Doku-Serie verpasst? Wenn du wissen willst, warum der Ticketkauf für Menschen mit Einschränkungen immer noch ein bürokratisches Desaster aus Telefon-Warteschleifen und veralteter IT ist, lies hier nach:Zum Artikel – Teil 1: Die Ticket-Buchung: Das System versagt auf allen Ebenen

Wie barrierefrei sind Konzerte, Musicals & Events? Teil 2: Das Ankommen am Venue

Der Zwang zum Online-Ticket: Spontaneität? Fehlanzeige!

Seit der Pandemie hat sich die Freizeitbranche radikal verändert: Das Vorab-Buchen ist mittlerweile fast überall zur Pflicht geworden. Egal, ob man auf den Eiffelturm steigen, ein Musical besuchen oder einen Tag im Freizeitpark verbringen möchte – ohne vorherige Online-Registrierung oder ein festes Datums-Ticket steht man oft vor verschlossenen Türen. Ein spontaner Ausflug am Wochenende ist kaum noch möglich.

Dazu kommt der finanzielle Druck: Viele Betreiber erheben an den Tageskassen saftige Zusatzgebühren oder machen die Tickets vor Ort generell deutlich teurer. Dieser Trend trifft Menschen mit Behinderung doppelt hart. Da die Online-Systeme für Barrierefrei-Tickets oft nicht funktionieren, wird man in die Zwickmühle getrieben. Zwar gibt es Ausnahmen – im Disneyland Paris beispielsweise kann man die speziellen Tickets glücklicherweise noch vor Ort kaufen –, aber auch dort gilt: Wer online bucht, spart bares Geld. Wer durch technische Barrieren auf der Webseite gezwungen ist, an die Tageskasse auszuweichen, zahlt am Ende oft drauf.

Wenn das Ticket dann aber – nach vergeblicher Suche auf der Webseite, endlosen Zuständigkeits-Debatten oder zähen Telefonaten – irgendwie ergattert ist, geht es direkt in die nächste Runde. Denn die bitterste Erkenntnis aus der Praxis zeigt: Die eigentliche Barrierefreiheit vor Ort entscheidet sich oft schon an der Bordsteinkante des Venues.

Wenn hier die Rädchen nicht ineinandergreifen, mutiert das lang ersehnte „gemeinsame Erlebnis“ sekundenschnell zum puren Stressfaktor. Das Ankommen, das Parken, der Weg zum Eingang und die Sicherheitskontrolle: Wir haben genau hingeschaut.

Die Anreise & das Parken: Das Ende jeder Spontaneität

Ein barrierefreies Erlebnis steht und fällt mit der Erreichbarkeit. Die traurige Realität zeigt jedoch: Ein Eventbesuch muss Wochen im Voraus generalstabsmäßig durchgeplant werden.

Die Anreise mit dem ÖPNV: Barrieren im System

Die Nutzung von Bus und Bahn ist für viele Menschen mit Behinderung ein unkalkulierbares Abenteuer.

  • Das Desaster mit der Bahn: Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist und mit der Deutschen Bahn anreisen möchte, stößt sofort auf die nächste Blockade. Der Mobilitätsservice der Bahn (MSZ) muss zwingend weit im Voraus gebucht werden. Spontan zum Konzert fahren? Völlig unmöglich.

  • Internationale Hürden: Dass das kein rein deutsches Problem ist, zeigen Erlebnisse im Ausland – wie jüngst in Madrid. Dort ist die Anreise mit dem Nahverkehr für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oft extrem kompliziert oder streckenweise schlichtweg überhaupt nicht möglich.

Die “letzte Meile” zum Venue: Wenn Berge zu Bergen werden

Selbst wenn die Haltestelle am Veranstaltungsort als „barrierefrei“ gilt, wartet auf dem Weg zum Einlass oft die nächste böse Überraschung. Während Zoos und Freizeitparks im Regelfall meistens recht gut und selbstständig barrierefrei aus dem Rollstuhl zu erreichen sind, sieht das bei großen Konzert- und Event-Arenen ganz anders aus. Viele dieser Venues wurden architektonisch erhöht auf Plateaus gebaut.

Bei der Rudolf-Weber-Arena in Oberhausen, der Porsche-Arena in Stuttgart oder auch der Lanxess Arena in Köln steht vor dem Einlass erst einmal ein teils knackiger Aufstieg an. Was für Fußgänger eine kaum wahrnehmbare Steigung ist, wird für Menschen im manuellen Rollstuhl oder mit Gehhilfe zu einer kräftezehrenden Barriere.

Der Weg zum Eingang und die Sicherheitsschleuse

Wer den Aufstieg geschafft hat – oder das Glück hatte, an einer komplett ebenerdig gebauten Location wie der Uber Arena in Berlin anzukommen (die zeigt, dass es baulich auch völlig unkompliziert geht) –, steht vor der nächsten großen Frage: Wo ist eigentlich mein Eingang?

Das Informations-Vakuum vor Ort

Auf den Webseiten oder den Tickets sucht man konkrete Hinweise zum genauen Einlassprozess oft vergeblich. Man erfährt meistens erst direkt am Venue, wo man sich überhaupt anstellen muss. Manche Locations bieten separate Sondereingänge für Menschen mit Behinderung (sichtbar wie unsichtbar) an, andere schleusen alle Gäste durch dieselben Zugänge. Ohne klare, weithin sichtbare Beschilderung irrt man erst einmal durch die Menschenmassen.

Die Sicherheitskontrolle als Nadelöhr

Bevor man das Gebäude betritt, wartet die obligatorische Sicherheitskontrolle im Außenbereich. Standard-Kontrollgänge sind durch Absperrgitter (Drängelgitter) im Zickzack aufgebaut und für Rollstühle oft unpassierbar. Gut organisierte Venues richten deshalb spezielle, separate Kontrollspuren für Menschen mit Behinderung ein, die deutlich breiter sind. Doch die beste Spur bringt nichts, wenn das Personal an dieser Schleuse nicht geschult ist. Bisher haben wir aber fast überall diese separaten Zugänge erlebt.

Der Einlass ins Gebäude: Das Versteckspiel hinter den Kulissen

Hat man die Schleuse hinter sich, geht das Versteckspiel in vielen Musical-Häusern und Theatern erst richtig los. Ein Blick z.B. auf einige Häuser von Stage Entertainment zeigt die Schwachstellen der Infrastruktur:

  • Das Aufzug-Nadelöhr (Beispiel Stuttgart): In den Stage Theatern in Stuttgart ist der reguläre Haupteingang für Rollstuhlfahrer oft nicht barrierefrei. Man benötigt zwingend einen Ordner, der einen abholt und über einen internen, versteckten Aufzug ins Gebäude schleust.

  • Der Seiteneingang (Beispiel Hamburg): Noch abenteuerlicher wird es im traditionsreichen Stage Operettenhaus in Hamburg, wo aktuell das elektrisierende Musical „Zurück in die Zukunft“ läuft.

(Hier ein Blick auf den prachtvollen, aber für Rollstühle unüberwindbaren Haupteingang mit seinen Stufen.

Wer dort als Rollstuhlfahrer ins Theater möchte, sucht am großen, gläsernen Haupteingang vergeblich nach einer Rampe. Der barrierefreie Zugang befindet sich an der Seite des Gebäudes. Zwar gibt es links unten am Sockel ein blaues Rollstuhlschild, das den Weg weist, aber der eigentliche Eingang selbst ist extrem unzureichend und mangelhaft ausgeschildert. Er geht optisch in einer graffiti-besprühten Wand unter und wirkt leider eher wie ein trister Personaleingang statt wie ein einladendes Musical-Entree.

Der offizielle barrierefreie Zugang an der Seite des Theaters.

Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Gegensprechanlage und das kleine Schild direkt an der unauffälligen Tür zu entdecken. Einladender Service für alle Gäste sieht im Jahr 2026 definitiv anders aus.

Endlich im Foyer: Die Zentralinformation als Retter in der Not

Hat man es endlich ins Gebäude geschafft, beginnt die Orientierungsphase. Jedes große Venue verfügt über eine Zentralinformation, die weit mehr ist als nur ein Tresen für Fundsachen – sie ist der absolute Anlaufpunkt für Menschen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen.

Wir haben in der Barclays Arena in Hamburg einige Zeit am Infopoint verbracht, durften das Team begleiten und miterleben, was dort im Minutentakt geleistet wird. Die Bandbreite an unkomplizierter Hilfe ist beeindruckend:

  • Schutz vor Reizüberflutung: Wenn Gäste feststellen, dass die Geräuschkulisse in der Arena zu überwältigend wird, hält die Information Ohrstöpsel und Gehörschutz bereit, um die Situation zu beruhigen. An vielen Venues und auch in einigen Freizeitparks kann man sich mittlerweile sogar hochwertigen Kapselgehörschutz gegen eine kleine Kaution ausleihen.

Ein Gänsehaut-Moment: Das Sunflower-Band im Praxistest

Das spannendste und für uns emotionalste Highlight an der Information in Hamburg war jedoch zu sehen, wie aktiv dort das Hidden Disabilities Sunflower (Sunflower-Band) für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen ausgegeben wird. Zu beobachten, wie glücklich Betroffene sind, wenn sie das Band in den Händen halten, zeigt, wie sehnlichst diese Unterstützung in Deutschland erwartet wurde.

Wir konnten vor Ort mit einem jungen Mann sprechen, der sichtlich erleichtert ein Sunflower-band am Counter abholte. Im Gespräch erzählte er uns seine Geschichte: Seine Schwester ist Asperger-Autistin und leidet unter den extremen Reizen und Menschenmassen bei Großveranstaltungen. Sie hatte das Band auf Social Media entdeckt und ihren Bruder gebeten, danach Ausschau zu halten. Für ihn war es in diesem Moment wie ein Hauptgewinn, seiner Schwester diese Sicherheit mit an den Platz bringen zu können.

Genau diese Momente zeigen: Das Sunflower-Band ist nicht einfach nur ein Stück Stoff. Es ist ein Symbol für Verständnis, ein digitaler Schutzschild und ein riesiger Schritt hin zu einem stressfreien Event.

Die Merchandise-Barriere: Das gedrängte Ringen um das Fan-Shirt

Direkt neben den meist vorbildlichen Infopoints zeigt sich an den Merchandise-Ständen oft eine massive Barriere. Das Erinnerungs-T-Shirt gehört für viele emotional fest zum Event dazu. Doch in der Praxis zeigt sich ein gewaltiger Unterschied in der Konzeption:

  • Die Musical-Falle (Fest verbaute Stände): In klassischen Musical-Theatern sind die Merch-Shops oft fest verbaut. Der Verkaufsraum ist meistens extrem klein, eng und verwinkelt. Wenn in der Pause Hunderte Menschen gleichzeitig dorthin strömen, ist für Rollstuhlfahrer absolut kein Durchkommen mehr. Es herrscht pure Chancenlosigkeit.

  • Die Arena-Realität (Mobile Stände): Bei großen Konzert-Arenen sieht es manchmal etwas besser aus, da oft mobile Stände oder lange Counter genutzt werden. Doch auch Indoor gilt: Häufig versperren zusätzliche Aufsteller, Kleiderständer und Absperrgitter auf engstem Raum den Zugang. Zudem sind die Tresen fast durchgehend so hoch gebaut, dass man aus dem Rollstuhl heraus sprichwörtlich gegen eine Wand schaut.

Unsere Ideen für die Zukunft: Warum nutzt man nicht digitale Lösungen? Über einen QR-Code am Platz könnte eine digitale Übersicht der verfügbaren Fanartikel abrufbar sein. Kombiniert mit einem „Click & Collect“-System könnte man das Shirt vorab per Smartphone bezahlen und an einem separaten, barrierefreien Counter ohne langes Anstehen einfach abholen. Das würde den Stress für Menschen mit Behinderung komplett eliminieren und den Pausen-Ansturm entzerren.

Das digitale Sicherheitsnetz: Hilfe auf Knopfdruck per QR-Code

Neben der physischen Zentralinformation gibt es in den modernsten Arenen Deutschlands mittlerweile ein unsichtbares, digitales Sicherheitsnetz, das für Menschen mit Behinderung ein absoluter Gamechanger ist. Sowohl in der Barclays Arena als auch in der Uber Arena hängen flächendeckend strategisch platzierte QR-Codes des Münchner Technologie-Unternehmens SafeNow.

Das System basiert auf einer so einfachen wie genialen Logik:

  • Hilfe ohne Barrieren und Hotlines: Egal, ob man selbst in eine medizinische Notlage gerät, sich unwohl fühlt, reizüberflutet ist oder eine brenzlige Situation beobachtet hat – ein Scan mit dem Smartphone genügt. Man wird nicht an anonyme Hotlines weitergeleitet, sondern direkt mit dem geschulten Sicherheitspersonal vor Ort verbunden (Smart Local Matching).

  • Metergenaue Indoor-Ortung: Das SafeNow-System übermittelt im Alarmfall sekundenschnell den exakten, metergenauen Standort – und zwar problemlos auch tief im Inneren von Gebäuden, in Gängen oder Aufzügen. Die Crew weiß sofort, wo sie hinmuss.

Genial gelöst: Schutz vor Fehlalarmen

Das System ist so programmiert, dass es im stressigen Event-Alltag fehlerfrei funktioniert. Wenn Besucher einfach nur neugierig sind, den Code scannen und dann merken, worum es geht, gibt es eine Absicherung: Bevor der Alarm unwiderruflich an die Zentrale rausgeht, läuft auf dem Handydisplay ein 5-Sekunden-Countdown rückwärts. Innerhalb dieser Zeit kann man den Vorgang jederzeit unkompliziert abbrechen. Läuft der Timer ab, geht die Meldung raus und man erhält innerhalb weniger Sekunden direkt eine Rückmeldung per Chat oder einen Anruf.

Sicherheit auch für die Crew hinter den Kulissen

Besonders spannend: Dieses System schützt nicht nur die Gäste. Die QR-Codes hängen auch in den reinen Mitarbeiterbereichen und in den Aufzügen. Wenn es einem Crew-Mitglied während der Schicht nicht gut geht, kann das Personal auf genau demselben Weg blitzschnell interne Hilfe anfordern. Ein solches System nimmt Menschen mit chronischen Erkrankungen, Angststörungen oder Mobilitätseinschränkungen eine enorme mentale Last. Man weiß zu jeder Sekunde des Abends: Ich bin nicht allein.

Hinweis in eigener Sache: Weil uns dieses Thema so wichtig ist, planen wir aktuell einen eigenen, ausführlichen Sonderbericht über SafeNow. Wir wollen von den Machern wissen, wie diese Technologie die Barrierefreiheit in Stadien, Bahnhöfen und vielleicht bald auch in Freizeitparks revolutionieren kann. Seid gespannt!

Der Sensory Room: Die mentale Notbremse zum Runterkommen

Manchmal ist der Akku schon leer, bevor die Show überhaupt begonnen hat. Die stressige Anfahrt, die Parkplatzsuche, das dichte Gedränge vor der Sicherheitsschleuse und das laute Gewusel im Foyer – für viele Menschen ist dieser Marathon pure Reizüberflutung. Besonders Personen mit unsichtbaren Einschränkungen wie Autismus, ADHS oder einer Reizschwellenstörung sind an diesem Punkt oft schon am Rande ihrer Kräfte.

Genau hier setzen modern denkende Venues an und schaffen Räume, die für Betroffene den gesamten Abend retten: sogenannte Sensory Rooms, Relax-Räume oder Ruheräume.

  • Ein Raum zum Durchatmen: Diese speziell gestalteten Räume sind das genaue Gegenteil des turbulenten Foyers. Sie sind schallisoliert, reizarm beleuchtet und oft mit gemütlichen Sitz- oder Liegemöglichkeiten ausgestattet.

  • Die Auszeit vor dem Start: Das Geniale daran ist, dass man sie als mentale Notbremse nutzen kann. Wer nach dem Einlass merkt, dass das Nervensystem kurz vor dem Overload steht, zieht sich für 10 oder 15 Minuten hierhin zurück, fährt das System komplett runter und kann danach entspannt in das eigentliche Event starten. Diese Räume sind ein essenzieller Schutzraum für diejenigen, die diese Reizpause dringend benötigen.

Die Pausen-Falle: Gastronomie und das Aufzug-Nadelöhr

Die Show läuft, die Pause beginnt – und damit der größte Stressfaktor des Abends. Zu einer gelungenen Pause gehört ein gemeinsames Getränk, doch in vielen verwinkelten Häusern (wie den Stage Theatern in Stuttgart) bricht das System jetzt zusammen:

  • Der Aufzug-Stau: Da die Pausenbereiche oft auf anderen Ebenen liegen, ist man permanent auf den Service angewiesen, der den einzigen, oft viel zu kleinen Aufzug freischaltet. Wenn sich in der knappen 20-minütigen Pause 15 Rollstuhlfahrer vor einem Lift drängen, in den jeweils nur eine Person passt, ist das logistische Chaos perfekt.

  • Theken außerhalb der Reichweite: Hat man es verspätet ins Foyer geschafft, steht man vor den riesigen, hohen Gastro-Theken. Es gibt zudem kaum rollstuhlgerechte, unterfahrbare Tische, um das Getränk in Ruhe abzustellen.

  • Das digitale Vorbild (Uber Arena Berlin): Dass es technisch viel besser geht, beweist die Uber Arena in Berlin. Direkt an den Barrierefrei-Bereichen befinden sich QR-Codes. Als Gast scannt man diesen einfach, bestellt seine Snacks und Getränke per App (z.B. Uber Eats) und das Service-Personal bringt die Bestellung direkt an den Platz! Keine Warteschlangen, keine hohen Theken – das ist echte, gelebte Selbstständigkeit. Auf dem Rückweg verpasst man so unter Umständen nicht einmal die ersten Minuten des zweiten Akts.

Die WC-Situation: Wer hat den Schlüssel zum stillen Örtchen?

Der Gang zur Toilette ist in der Pause ein hochemotionales Thema. Vor den Behinderten-WCs bilden sich regelmäßig lange Schlangen von Gästen, die dem ersten Anschein nach überhaupt keine Einschränkung haben, das WC aber aus Bequemlichkeit nutzen, weil es gerade frei ist.

Unsere klare Position: Wir befürworten das Euroschlüssel-System! Das Schloss sorgt verlässlich dafür, dass die Toiletten wirklich nur von dem Personenkreis genutzt werden, der dringend auf die Haltegriffe und den Platz angewiesen ist. Wichtig ist hierbei nur, dass das geschulte Personal vor Ort Gästen mit unsichtbaren Behinderungen (die z.B. das Sonnenblumenband tragen, aber keinen Euroschlüssel besitzen) unkompliziert und diskret aufschließt.

Der Sonderfall Freizeitpark: Das Show-Einlasssystem

Während wir in Arenen oft mit engen Räumen und starren Aufzug-Infrastrukturen kämpfen, bieten Freizeitparks aufgrund ihrer weitläufigen Flächen vor Ort meist deutlich mehr Flexibilität. Doch sobald es um die beliebten Shows innerhalb der Parks geht, stehen Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen vor dem berüchtigten Einlass-Chaos. Wenn die Tore geöffnet werden und die Masse nach vorne stürmt, wird es eng und laut.

Das Disneyland Paris-Prinzip: Erst die Ruhe, dann der Sturm

Wie man diesen Stress komplett eliminiert, zeigt ein Blick in das Disneyland Paris. Dort wartet man mit einer Behinderung in einem eigenen, separaten Bereich. Bevor die Haupttüren für die breite Masse geöffnet werden, darf dieser barrierefreie Bereich zuerst den Saal betreten. Die Gäste haben Zeit und absolute Ruhe, um reinzugehen, sich zu orientieren und ihren Platz zu finden – ohne das hektische Reinstürmen der Masse, was gerade für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen ein Segen ist. Natürlich gilt auch hier: Die Kapazitäten are begrenzt, man muss genauso frühzeitig da sein wie alle anderen auch.

Fazit zu Teil 2: Einlass und Ankommen – Eine Frage der Organisation

Unser Blick hinter die Kulissen zeigt: Barrierefreiheit krankt selten am guten Willen des Personals, sondern an veralteter Logistik und starren Strukturen. Wenn unterdimensionierte Aufzüge die Pause blockieren, hohe Verkaufstheken den Snack-Kauf unmöglich machen und der Einlass im Chaos versinkt, bleibt das gemeinsame Erlebnis auf der Strecke. Dass es anders geht, zeigen die Pioniere der Branche mit App-Bestellungen oder getrennten Vorab-Einlässen.

Jetzt seid ihr dran: Macht mit und gebt uns Feedback! Wir wollen den aktuellen Stand der Barrierefreiheit transparent machen! Wie habt ihr das Ankommen, den Einlass, die Infos, den Merch-Kauf und die Pausen-Situation erlebt?

Egal ob bei Musicals, Konzerten oder großen Sportveranstaltungen in den Stadien und Arenen (wo wir selbst noch nicht so oft vor Ort waren): Kennt ihr andere gute Beispiele? Wo ist die Essens- und Pausensituation perfekt gelöst? Schreibt uns eure Erfahrungen per E-Mail an post@freizeitpark-erlebnis.de. Wir bündeln euer Feedback für unsere große Community-Auswertung!

Ausblick auf Teil 3: Im nächsten Teil unserer Serie widmen wir uns dem absoluten Herzstück im Saal: Wie barrierefrei sind die Plätze selbst? Wie ist die Sichtachse und was passiert, wenn das Publikum aufsteht? Und wie eng wird es wirklich in den Barrierefrei-Bereichen, wenn Gruppen oder Familien anreisen? Bleibt dran!

Eindrücke aus verschiedenen Venus

Fotos: Michael Töller
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Michael
Ich bin Michael und der Inhaber von Freizeitpark Erlebnis. Bereits als Kind habe ich mich in einem Freizeitpark immer sehr wohl gefühlt. Meine Eltern haben mir immer ermöglicht mindestens 2 - 3 mal im Jahr einen Freizeitpark zu erkunden. Gemeinsam mit meinem Sohn habe ich diese Leidenschaft fortführen können und nun habe ich das große Glück mein Hobby zum Beruf zu machen. Durch mein tolles Team wachsen wir immer weiter und so sind auch Erlebnisse aus allen Bereichen bei uns vertreten. Das Thema Barrierefreiheit wird immer wichtiger bei uns und so lernen wir immer dazu. Danke an mein super Team und meine Eltern, die meine Leidenschaft für Freizeitparks & Erlebnisse entfacht haben.
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