Toverland versteht Barrierefreiheit. Das Bändchen-System, die App mit Weg-Filterung, die Aufzüge, das deutschsprachige Personal – es funktioniert. Tim und Jasmin, zwei Rollstuhlfahrer mit unterschiedlichen Fähigkeiten, haben gemeinsam einen ganzen Tag im Park verbracht. Das zeigt: Echte Inklusion ist möglich.
Das Wichtigste:
Vier Jahre sind verstrichen seit unserem letzten Besuch im Toverland. Wir haben den niederländischen Freizeitpark im Sommer 2026 besucht. Mit dabei waren Tim und Michael vom Freizeitpark-Erlebnis-Team sowie Jasmin. Tim und Jasmin sind beide Rollstuhlfahrer. Aber sie haben unterschiedliche körperliche Fähigkeiten, und das wurde während des Tages deutlich. Das war auch der Plan: Jasmin soll Freizeitpark-Erlebnis unterstützen – wir wollten testen, was sie kann. Jasmin ist zusätzlich sehr stark sehbehindert und so erhalten wir heute sicherlich viele neue Eindrücke.
Gestartet sind wir um 9:00 Uhr und waren dann gegen 11:00 Uhr im Park.
Die Behindertenparkplätze nicht optimal (Kies/Gras). Zum Glück ist es aber nur ein kurzer Weg bis auf den Hauoptweg zum Park, der schön breit und gut befahrbar ist.
Der Eingang ist wunderschön anzusehen bei dem Wetter. Blauer Himmel und dann diese tollen bunten Farben und Formen der Gebäude.
Willkommen im Toverland!
Wir haben uns vorbereitet und uns die spezielle Website für Menschen mit Behinderung angesehen. Hier findet man viele Informationen und hilfreiche Tipps rund um den Besuch.
Toverland bietet ein Formular „Erklärung Besucher mit einer Behinderung“:
⚠️ Beidseitig ausdrucken! Oder vor Ort ausfüllen (Personal spricht Deutsch!).
Beim Gästeservice erhält man dann das Bändchen:
Jasmin bekam ein blaues Bändchen und eine Attraktions-Karte mit Details zu Eingängen und Treppenstufen.
Toverland hat einen Barrierefreiheits-Filter in die App integriert: Auf der interaktiven Park-Karte werden schwierige Wegstrecken rot markiert mit durchgestrichenem Rollstuhl-Symbol angezeigt. Das ist einzigartig.
Das heißt: Volle Transparenz, keine Überraschungen, echte Selbstbestimmung. Das ist würdevoll.
Ein oft unterschätzter Punkt: Die Beschilderung im Toverland ist hervorragend. Rollstuhlaufzüge sind deutlich gekennzeichnet, Wegweiser sind leicht zu verstehen und visuell hilfreich. Das erspart Menschen mit Behinderung viel Unsicherheit und Fragen vor Ort. Der Parkplan ist detailliert und gibt einen guten Überblick über die Barrierefreiheits-Optionen. Zudem gibt es ja das Extra “Zugang über alternative Eingänge”, in dem man genau sehen kann, welche Zugänge für Rollstuhlfahrer die passenden sind.
Die beiden haben so einiges ausprobiert. Besonders schön war dabei, dass viele Dinge zusammen möglich waren. Dies ist in den seltensten Fällen möglich und so eine weitere Besonderheit dieses Freizeitparks.
Eingang für Gäste mit Behinderung. Das Besondere: 9 Begleitpersonen möglich – deshalb konnten Tim und Jasmin zusammen fahren. Das war Tims erste Erfahrung, eine Attraktion mit einem anderen Rollstuhlfahrer zu teilen. Ohne Rampe kommt man ganz einfach auf das Boot und die Begleiter können in den vorderen beiden Reihen Platz nehmen. Einfach genial!
Diese hat einen Aufzug – aber er war defekt. Ein Techniker erschien nach 10 Minuten. Der Aufzug ging dann wieder. Es kann immer nur ein Rollstuhlfahrer mitfahren. Wenn man jedoch in einer Gruppe unterwegs ist, dürfen bis zu 4 Personen gemeinsam fahren. So war es auch möglich, dass der Aufzug ein zweites Mal gefahren ist, um auch Jasmin nach oben auf den Bahnhof zu bringen. Tim sagte: „Die Fahrt ist gut Sie sieht schlimmer aus, als sie ist.“
Ab durch den Ausgang, die wenigen Treppenstufen hoch und dann in die letzte Reihe! Tim und Jasmin wollten in der letzten Reihe sitzen – danach war beiden schlecht. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem und einige Minuten später ging es wieder. Michael musste hier beim Einstieg und den Treppen unterstützen.
Eingang für Gäste mit Behinderung. Beide konnten bis zur Gondel fahren. Anschließend mussten sie sich nur kurz umsetzen. Der Rollstuhl wurde vom Personal weg- und wieder herbeigeholt (einer von Michael). Weil nicht viel los war, habe ich nett gefragt und so durften die 2 direkt sitzen bleiben und nochmal fahren. Ein großer Spaß für beide!
Eingang wieder über den Ausgang. Der Einstieg ist wirklich sehr hoch. Jasmin konnte es mit ihrem Trittbrett. Also vom Rollstuhl direkt auf die erste Stufe. Für Tim keine Option und so konnte er nicht mitfahren.
Vor dem Gebäude findet man rechts eine Rampe für Rollstuhlfahrer. Von dort aus gelangt man durch den Shop zum Ausgang der Attraktion. Hier warten die im Plan angezeigten Treppen. Es sind rund 20 Stufen bis oben und da wird es auch eng. Hier befindet sich der reguläre Ausgang und es gibt ein Drehkreuz. Außerdem ist hier der Zustieg für die Künstler der “Feuershow”. Also insgesamt sehr eng und wir mussten sehr lange warten, bis wir fahren konnten. Dies war für Jasmin schwer, denn nach den Treppen war sie ganz schön kaputt. Leider gibt es keine wirklich guten Sitzmöglichkeiten und wenn der Zug einfährt und alle aussteigen, wird es sehr eng am Ausgang. Hier würden wir uns eine andere Lösung wünschen.
Am Nachmittag gab es eine Feuershow auf dem Dach.
Hier gibt es ein leckeres Eis, es duftet nach Kaffee und natürlich dürfen die niederländischen Spezialitätenrestaurants nicht fehlen. Hier gibt es alle möglichen Dinge aus der Fritteuse … Ein kleines Eis hatte ich mittags und Jasmin hat sich einen Spezialbecher geholt am Ende des Tages. Beide waren sehr lecker!
Es gibt viele Sitzmöglichkeiten, leider aber oft in der Sonne (generell im Toverland).
Die Behinderten-WCs waren sauber. Leider mussten wir lange warten, weil Menschen auf dem WC waren, die dort wahrscheinlich nicht hingehören (Vater mit Kind). Aber man kann es nie wissen, denn manche Behinderungen sind unsichtbar!
Es gibt einige Aufzüge und generell gute Informationen.
Aufzüge gibt es bei folgenden Attraktionen:
Alternative Eingänge:
Fast alle Attraktionen haben alternative Eingänge (meist über den Ausgang). Diese sind reizärmer, haben aber oft Treppenstufen.
Gewichtsbeschränkungen:
Tim kam besser mit Bergen klar. Jasmin war flexibler bei hohen Einstiegen. Das ist die Realität von Barrierefreiheit: Sie ist individuell.
Toverland versteht das. Das System funktioniert, weil es Unterschiedlichkeit anerkennt: Bändchen, Attraktions-Karten, Aufzüge, flexible Begleit-Regeln, reizarme Warteschlangen. Das ist echte Inklusion.
Zwei Rollstuhlfahrer mit unterschiedlichen Bedürfnissen haben zusammen einen ganzen Park erkundet – ohne dass der Park sie aufspaltet. Das ist würdevoll. Das ist Inklusion. Mit Sicherheit gibt es aber auch hier noch viele offene Punkte im Bereich der Barrierefreiheit und Luft nach oben. So sind fehlende Treppenstufenmarkierungen bei Troy nur eine der vielen Kleinigkeiten, die das Erlebnis noch schöner (und sicherer) machen würden.
Der Freizeitpark und vor allem die Menschen vor Ort haben ein gutes Verständnis und eine gute Wahrnehmung, um möglichst viele Bedürfnisse aller Besucher abzudecken. Im Bereich Sehbehinderung sind es mit Sicherheit mehr Baustellen als im Bereich Gehbehinderung. Auch was das Thema Höreinschränkungen angeht, gibt es Potenzial.
Die Gestaltung des Parks ist beeindruckend. So viel Wasser, grüne Flächen und schattenspendende Bäume. Einfach toll und nicht in vielen Freizeitparks so schön. Eintauchen in eine Welt voller Magie und Zauberei. Viele verspielte Details und die aufwendige Thematisierung lassen einen wirklich in eine Welt eintauchen und den Alltag vergessen. Wir hatten einen tollen Tag, was nicht nur am Wetter und den überschaubaren Besucherzahlen lag. Vielmehr war es das gemeinsame Erlebnis!