Erfahrungsbericht
CMT 2026: Warum Barrierefreiheit noch immer im Hintergrund parkt
26. Februar 2026 · von Michael
Das Versteckspiel der Kreuzfahrtriesen
Es gibt sie: die perfekt gestalteten Hochglanz-Broschüren für barrierefreies Reisen. Sie zeigen detaillierte Kabinenpläne und erklären jedes Hilfsmittel an Bord. Doch wer sie sucht, braucht Detektivspürsinn. Anstatt diese Informationen stolz zu präsentieren, liegen sie versteckt im Hintergrund. Erst auf explizite Nachfrage wird danach gesucht. Barrierefreiheit wird hier als „Sonderfall“ behandelt, nicht als Teil eines modernen Selbstverständnisses.
Inklusions Theater: Wenn das System „Nein“ sagt
Ein besonderer Tiefpunkt war der Versuch einer Spontanbuchung für ein Musical. Rabatt-Aktionen von 35 % locken das Messepublikum – doch die Ernüchterung folgt am Schalter. 15 Minuten Wartezeit für die Erkenntnis: Rollstuhlplätze sind über das System nicht buchbar. Das ist im Jahr 2026 ein Armutszeugnis. Es zeigt deutlich, welchen Stellenwert Menschen mit Behinderung in der digitalen Infrastruktur der Unterhaltungsriesen wirklich haben: Sie kommen schlicht nicht vor. Wenn die Buchung zur Barriere wird, hilft auch der freundlichste Service am Stand nicht weiter.
Die 10 %-Ironie der Freizeitparks
Viele Freizeitparks warben mit einem Messe-Discount von 10 %. Ein nettes Angebot – für alle, außer für Menschen mit Behinderung. Diese Exklusion bei Rabattaktionen ist nicht nur unlogisch, sondern ein Schlag ins Gesicht für eine Zielgruppe, die ohnehin oft mit höheren Reisekosten zu kämpfen hat.














Bildnachweis: Michael Töller
Lichtblicke: Wo Inklusion funktioniert
Es gab sie, die Orte, an denen man sich willkommen und verstanden fühlte:
ZSL Stuttgart & Magazin „Barrierefrei Erleben“: Der Stand in Halle 6 war der Anlaufpunkt Nummer eins. Hier wurden barrierefreie Ziele gebündelt präsentiert – eine echte Service-Oase in der Informationsflut.
Hamburg: Die Hansestadt zeigt, wie es geht. Eine eigene Broschüre, durchdachte Routenvorschläge und klare Infos zu Verkehrsmitteln. Hamburg landet für 2026 definitiv auf unserer To-do-Liste.
Goldener Rollstuhl: Die Verleihung dieses Preises (unter anderem an das Lausitzer Seenland) war ein echtes Highlight und zeigt, dass es Akteure gibt, die Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal begreifen.
Das Paradoxon des Messegeländes
Es ist paradox: Die Messe Stuttgart ist baulich vorbildlich barrierefrei. Die Hallen sind weitläufig und zugänglich. Doch die Getränke- und Foodstände sind es oft nicht. Wer im Rollstuhl sitzt, schaut buchstäblich gegen die Theke. Ein trauriges Bild, wenn man bedenkt, wie viele Besucher mit Mobilitätseinschränkungen am besucherstarken Samstag unterwegs waren.
Fazit: Mehr Schein als Sein?
Die CMT 2026 bietet einen umfassenden Überblick, doch das Thema „Disability“ wird von vielen Ausstellern noch immer stiefmütterlich behandelt. Besonders internationale Destinationen wie Spanien, Italien oder die USA glänzten oft durch Abwesenheit von Informationen.
Wir werden unseren Besuch im nächsten Jahr auf zwei Tage straffen. Die Zeit, die man mit dem Suchen nach „versteckten“ Informationen verbringt, investieren wir lieber in die Zusammenarbeit mit den Partnern, die es ernst meinen. Ein Beispiel dafür sind das Team vom ZSL oder die Vorreiter aus Hamburg.
